Die Einzelheiten der Gründungsgeschichte verdanken wir mündlichen Überlieferungen der Mitglieder, die den 2. Weltkrieg besser als das Clubhaus und die Vereinsaufzeichnungen überstanden haben. Die beiden letzten Nachfahren im SCP, d. h. die Enkel des Gründungsmitglieds Otto Krupp, kennen die Geschichte des Vereins auch nur vom Hörensagen, konnten aber wertvolle Dokumente aus der Anfangszeit vorlegen.

Einige unserer Gründungsmitglieder lagen mit ihren Booten im großen Fenster am Hausboot Salamander entweder vor Anker oder an wackligen Pfählen im Schilf. Nachdem einige Boote wiederholt nach Sturm oder Starkwind vom Ufer abgeborgen werden mussten, entschlossen sich einige dieser wilden Segler ein ruhigeres Ankerrevier im Stößensee zu suchen.

Eine Mitgliedschaft in einem Yachtclub kam für diese wilden Segler wegen der damit verbundenen Kosten, wegen fehlender Abendgarderobe und Steggarderobe nicht in Betracht. Im Stößensee fand man zunächst in einem als Club getarnten gewerblichen Bootshaus Unterschlupf. Ein ständig betrunkener Bootsmann konnte häufige Diebstähle ebenso wenig verhindern wie regelmäßige Nachtwachen der Segler. Streit über unangemessene Geldforderungen des Bootshauses und ein (deswegen) verlorener Prozess führten endlich zu dem Entschluss, am 6.9.1930 die Wassersport-Vereinigung Pichelswerder zu gründen. Das Gründungsmotto lautete: "Der Allgemeinheit dienende Pflege des Wassersportes mit möglichst geringen Mitteln." Diesem Motto ist der Verein bis heute treu geblieben.

Nach zähen Verhandlungen gelang es, unser Grundstück zu pachten, wobei der Begriff Grundstück damals reichlich hoch gegriffen war. Es bestand seinerzeit vorwiegend aus Schilf, Sumpf und einem Sandberg. Bereits 1931 wurde eine Steganlage gebaut, dann kaufte man als Clubheim den Dampfer "Blechesel", der auch die Boote ins Winterlager nach Hakenfelde schleppte. Weitere Aufbauten an dem Hausboot führten schließlich zu seinem Untergang. Die Feuerwehr konnte es zwar noch einmal bergen, es wurde dann aber umgehend verkauft. Dies war der Anlass, den Sumpf trocken zu legen und das Gelände aufzuschütten. Der Verein hatte sein erstes Winterlager.

Dann wurde eine Arche gekauft, die auf Land gelegt als Umkleideraum diente. Bald darauf ging es an den Bau eines Clubhauses, damals wie heute selbstverständlich in Eigenleistung. Mitglieder, die in einer Brauerei beschäftigt waren, haben den Bau durch regelmäßiges Freibier in besonderem Maße gefördert.

Der zweite Weltkrieg und die Bombenabwürfe im Stößensee haben den Verein wie viele Nachbarvereine schwer getroffen. Das Clubhaus brannte vollständig ab. Nur den aufopfernden Rettungsarbeiten des Kameraden Kurt Arndt ist es zu verdanken, dass er alle Boote vor den Flammen retten konnte. Der Preis für diesen Rettungseinsatz war sehr hoch. Er verlor dabei sein Augenlicht.

Erst im Jahre 1947 konnten wir wieder auf unser Grundstück und mit dem Wiederaufbau unter dem jetzigen Namen Segel-Club Pichelswerder e. V. beginnen. Aus Brandenburg wurde eine Stahlblechbaracke beschafft, die im Laufe der Jahre ummauert, aufgestockt, ausgebaut, angebaut und umgebaut wurde, ein Prozess der seinen Abschluss sicher noch nicht gefunden hat. Ein quergeteilter, aufgerichteter Jollenkreuzer diente als Toilette, das erste Bollwerk, der Spierenschuppen und ein Slipwagen für Boote bis 5 to wurden ebenfalls in Eigenarbeit erstellt, der Slipwagen allein vom Gründungsmitglied Franz Fischer. 40 Jahre tat der Wagen gute Dienste.

In den nächsten Jahren wurden u. a. Wasser-, Abwasser, Strom- und Telefonanschlüsse gelegt, ein moderner Sanitärbereich geschaffen, eine neue Steganlage gebaut und das Grundstück wildschweinsicher eingezäunt. Zuletzt wurden das Bollwerk und der Slipstrang mit Winde erneuert und die bisher provisorische Hangtreppe komplett neu gebaut. Dass fast alle Arbeiten mit eigenen Kräften verwirklicht wurden, versteht sich von selbst.

Am 1.8.2003 konnten wir endlich das Grundstück als Eigentümer erwerben und den Bestand des Vereins langfristig sichern. Stolz können wir darauf sein, dass der Kaufpreis ausschließlich von den Mitgliedern aufgebracht wurde.

Trotz aller geschilderten Baumaßnahmen stand in unserer Vereinsgeschichte immer der Segelsport im Vordergrund. Auch wenn der Schwerpunkt im Bereich des Wandersegelns stand, belegt durch viele Einzel- und Gemeinschaftsfahrten in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg sowie viele Törns auf Ostsee, Nordsee und Mittelmeer, so haben Vereinsmitglieder immer wieder z. T. mit beachtlichen Ergebnissen an Meisterschaften, Berliner Klassenwettfahrten, Oldtimerwettfahrten bzw. Yardstickregatten teilgenommen.

Bis heute ist der Einsatzwille der Mitglieder ungebrochen, sowohl bei der Pflege und Weiterentwicklung des Grundstücks und seiner Anlagen, als auch beim gemeinsamen Segelsport und nicht zuletzt dann, wenn es um gemeinsames Feiern geht. Dieser Tatendrang und Gemeinschaftssinn versprechen dem Verein eine gute Zukunft.

 
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